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Happy Valentinstag

Wie sieht eigentlich das Liebesleben in der Vogelwelt aus?

Rund 90 Prozent aller Vogelarten leben tendenziell monogam, entweder für eine Brutsaison, mehrere Jahre oder auch ein Leben lang – das heißt, ein Paar kümmert sich gemeinsam um das Nest, die Bebrütung der Eier, Futtersuche und Aufzucht der Jungen. Bei diesen Arten sind Männchen und Weibchen übrigens meist gleich oder sehr ähnlich gefärbt. Es kommt also auch hier auf die inneren Werte an.

Kleine Geschenke erhalten die Liebe

Wie festigen Vögel ihre Paarbindung? Mit einem gemachten Nest! So kehren männliche Störche immer als Erstes in die Brutgebiete zurück und besetzen möglichst den Horst vom Vorjahr. Weibchen folgen ein paar Wochen später – sie kehren zurück zum festen Nistplatz. Oft bewohnt ein Paar mehrere Jahre denselben Horst. Hat aber ein anderes Männchen den Horst besetzt, so ist das Weibchen ihrem Nistplatz treu, aber nicht unbedingt ihrem alten Partner. Die Paarbindung am Nest wird dann durch das berühmte Klappern mit dem Schnabel gefestigt, beide Partner bauen das Nest jedes Jahr weiter aus.

Unzertrennliche Papageien

Papageien sind sehr soziale Vögel und bekannt für ihre Treue. Hat sich ein Paar nach ausgiebiger Prüfung des Aussehens, der Stimme und des Verhaltens gefunden, so bildet es eine enge Paarbindung. Diese wird durch gegenseitige Gefiederpflege, besondere Laute, Balzrituale wie Verbeugen, Schnäbeln und Flügelschlagen gefestigt. Und natürlich durch Geschenke wie Futter – gegenseitiges Füttern stärkt die Bindung. Oft hält diese ein Leben lang! Nicht umsonst gibt es kleine afrikanische Papageienarten wie die Pfirsichköpfchen, die auch „die Unzertrennlichen“ oder „Lovebirds“ genannt werden.

Feurige Flamingos

Flamingos zeigen ein ausgeprägtes Balzverhalten in Gruppen. Die rosafarbenen Flamingotänzer marschieren entweder synchronisiert als Parade im Wasser, wenden den Kopf schnell hin und her oder präsentieren die Unterseiten ihrer Flügel, um einen Partner zu gewinnen. Je ausgefallener und komplexer das Bewegungsrepertoire dabei ist, desto größer ist die Chance auf –einen Gefährten und den eigenen Fortpflanzungserfolg. Haben sich dann zwei Vögel gefunden, bleiben sie für eine Brutsaison zusammen. Und zur nächsten Fortpflanzungssaison geht der Tanz von vorn los!

Seitensprünge nicht selten

Aber gerade bei Vogelarten, die auf den ersten Blick treu wirken, weiß man inzwischen, dass es häufig Seitensprünge gibt. Von vielen Arten ist bekannt, dass nicht alle Jungen aus einem Gelege vom selben Vater abstammen! So finden sich Blaumeisen als feste Brutpartner für die Brutsaison zusammen. Jedoch suchen beide Geschlechter aktiv nach Seitensprüngen mit anderen Blaumeisen – mit dem/der Nachbar:in aus dem nächsten Nest oder vertrauten Futterpartner:innen aus der Winterzeit. Dies erhöht für die Männchen die Anzahl der eigenen Nachkommen. Den Weibchen hilft es durch die genetische Vielfalt, die Überlebenschancen der Nachkommen zu steigern.

Liebe auf Zeit

Bei anderen Vogelarten geht es nur darum, möglichst viele Partnerinnen zu beeindrucken – entweder mit herausragendem Gesang, ausgefallenen Tänzen oder kunstvoll selbst gebauten Nestern. Dabei geht es nur um „Liebe“ für einen kurzen Moment – denn hat sich ein Paar gefunden, so gehen beide Tiere nach der Paarung schon wieder getrennte Wege. Das Ziel: die Art gut zu erhalten, den genetischen Pool möglichst breit zu fächern und eine gute Anpassungsfähigkeit der folgenden Generationen an die Umwelt zu gewährleisten. Also muss für den einen Moment alles passen: Das Gefieder muss glänzen und perfekt sitzen, das Haus bereitet und die Stimme geölt sein. Das Weibchen kümmert sich dann allein um Eier und Jungtiere – um dabei nicht aufzufallen, sind die Weibchen mit ihrer Gefiederfarbe an ihr Brutverhalten angepasst und in Tarnfarben gekleidet. Männchen hingegen buhlen um die Gunst dieser Weibchen – das tun sie mit verschiedensten Strategien!

Prächtige Paradiesvögel und Damenwahl in der Balzarena

Die Männchen der Paradiesvögel Neuguineas kleiden sich in aufwendigen Farben und mit prachtvollen Schmuckfedern. Doch damit nicht genug – um Weibchen von sich zu beeindrucken, vollführen sie komplexe Tänze, rücken ihre ausgefallenen Federn dabei ins rechte Licht und singen und pfeifen, was das Zeug hält. Zum Teil nutzen sie dafür hohe, von Blättern gesäuberte Äste oder frei geputzte „Balzarenen“. Auch die Männchen der kleinen mittel- und südamerikanischen Pipras zeichnen sich durch spektakuläre Balzrituale aus – diese zeigen einem Weibchen, wie fit und durchsetzungsfähig ein potenzieller Partner ist. Einige Arten der Pipras nutzen ungewöhnliche Geräusche zur Balz – beim Flug wird durch sehr schnelles Gegeneinanderschlagen der Flügel über dem Rücken ein lauter knallender oder schnurrender Ton erzeugt. Die Tänze werden in sogenannten Balzarenen vorgeführt, die von den Männchen von Blättern und anderen aus Pipra-Sicht störenden Materialien befreit werden. Das Männchen möchte mit seinem Balztanz fliegend, hüpfend und wirbelnd von Ast zu Ast möglichst viele Weibchen von sich überzeugen. Ist ein Weibchen bereit, so fordert es das Männchen auf, ihr zu folgen!

Hausbau bei den Webervögeln

Zur Brutzeit bauen Webervogelmännchen mehrere aus langen Halmen kunstvoll geflochtene Hängenester mit einer Bruthöhle. Mit erregten Rufen und Balztänzen werden die Weibchen an die Nester gelockt. Diese wählen das beste und stabilste Nest aus. Das Männchen baut oft mehrere Nester, um die Chancen zu erhöhen, dass eines davon gewählt wird. Ist ein Weibchen zufrieden, kümmert es sich danach allein um Eier und Junge, während das Männchen schon fleißig am nächsten Häusle baut.

Alleinerziehende Väter

Bei den Kasuaren, großen Laufvögeln aus Neuguinea und Nordaustralien, läuft es genau andersherum. Die Männchen besetzen im dichten Regenwald ein Territorium, in dem sie ein Bodennest in einer Mulde, ausgepolstert mit Blättern, vorbereiten. Kommt ein Weibchen in das Revier, wird es vom Männchen bei der Balz mit dumpfen Rufen, aufgestelltem Gefieder und aufgeblähtem Hals umworben. Nach einer Paarung bleibt das Weibchen noch im Revier, bis es bis zu fünf leuchtend grüne Eier in das Nest des Männchens legt. Nun ist es am Männchen, fleißig zu sein – die Eier zu bebrüten und später die geschlüpften Jungen zu führen. Das Weibchen schaut sich derweil schon im nächsten Territorium nach einem weiteren Männchen um.