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Eingemauert - aus Liebe: Doppelter Bruterfolg bei den Hornvögeln

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Hornvögel haben im gesamten Vogelreich eine einzigartige Brutbiologie: Das Weibchen mauert sich mit den Eiern in einer Baumhöhle ein. Nur ein kleiner Spalt bleibt: für das Futter, das vom treu sorgenden Vater herbeigebracht wird. Dieses Schauspiel kann nun live im Weltvogelpark beobachtet werden. Denn hier ist bei den Helmhornvögeln und Rhinozeroshornvögeln jeweils ein Jungtier geschlüpft.

 

 

 

Einmalig in der Vogelwelt ist der Nestbau der Hornvögel. Anstatt eines herkömmlichen Nestes nutzen sie eine Baumhöhle, die sie mithilfe von Nahrung, Holzteilen, Lehm und Speichel verschließen. Es bleibt lediglich ein kleiner Spalt offen, der nicht nur zur Futter- und Luftzufuhr, sondern auch zum Sauberhalten der Höhle genutzt wird, indem das Weibchen Dreck hinausbefördert. Das Weibchen mauert sich so nach der Eiablage sprichwörtlich ein und verlässt sich quasi blind auf das Männchen. Dabei dient die Mauer vor allen Dingen als Schutz der Jungtiere vor Fressfeinden. Das Weibchen nutzt diese Zeit jedoch auch zur ausgiebigen Mauser ihres Gefieders. Sobald die Jungtiere flügge und somit fast ausgewachsen sind, reißt das Weibchen die Mauer mit ihrem kräftigen Schnabel wieder ein, verlässt die Höhle und hilft dem Männchen dann bei der Futtersuche und dem Füttern des Nachwuchses. Im Schnitt verbringt ein Weibchen drei ganze Monate in ihrer Bruthöhle! 

Beide Hornvogelarten sind auf der Roten Liste bedrohter Tierarten als gefährdet eingestuft. Größte Bedrohung sind dabei die Abholzung der natürlichen Wälder, die Bejagung sowie der Handel als Käfigvogel. Nachwuchs unter menschlicher Obhut ist in Europa sehr selten. „Bei uns im Weltvogelpark Walsrode haben vor wenigen Wochen gleich zwei Weibchen ihre Bruthöhle bezogen, die Eingänge fleißig zugemauert und Eier gelegt“, freut sich Dipl.-Biologin Anne Densow. „Das Weibchen des Helmhornvogels ist bereits seit Mai eingemauert, das Jungtier Ende Juni geschlüpft. Derweil sind Mutter und Jungtier noch in der Höhle, während das Männchen sie mit Futter versorgt, jedoch erwarten wir das Ausfliegen des Jungvogels in den nächsten Wochen. Bei den großen Arten der Hornvögel fliegt ein Jungtier je nach Art nach rund 70 bis 80 Tagen aus.“

Aber auch bei dem Rhinozeroshornvogel gibt es gerade Nachwuchs. „Dieses Jungtier ist am 29. Juli 2019, also vor drei Wochen, geschlüpft und noch ganz klein. Der Nachwuchs ist etwas ganz Besonderes, da wir das Elternpaar erst letztes Jahr zusammengebracht haben. Niemand hat damit gerechnet, dass sie bereits dieses Jahr mit dem Brüten beginnen. Das war wohl Liebe auf den ersten Blick. Es ist schön zu beobachten, mit welcher Hingabe sich beide Vogelväter um die Mutter und den Nachwuchs kümmern. Für mich gehören die Hornvögel zu den besten Vätern der Vogelwelt. Gleichzeitig zeigt uns das, wie wohl sich die Tiere hier fühlen“, freut sich Janina Ehrhardt, Pressesprecherin des Weltvogelparks. Übrigens: Das Treiben der Helmhornvögel wird über eine kleine Kamera auf einen Monitor in der Nähe des Geheges übertragen – der Besucher ist also live dabei. 

Im Weltvogelpark sind aktuell zwölf verschiedene Arten von Hornvögeln zu Hause. Die Familie der Hornvögel zeichnet sich durch einen nach unten gebogenen, langen Schnabel aus. Den Aufsatz auf dem Oberschnabel nennt man das Horn. Dieses ist meist nur mit poröser Knochensubstanz ausgekleidet und somit überwiegend hohl. Hauptsächlich dient das Horn als Resonanzraum, um die Rufe zu verstärken, bzw. zur Partnersuche.